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Gewaltfreiheit wirkt

55 Erfolge für die Gewaltfreiheit aus den vergangenen hundert Jahren.

Im täglichen Leben lösen wir Streitigkeiten üblicherweise ohne Gewalt. Erinnern wir uns also daran: Gewalt ist die Ausnahme – Gewaltfreiheit ist die Regel.

Diese Auswahl besonders berichtenswerter Beispiele aktiver Gewaltfreiheit können Sie hier downloaden oder im pax christi-Sekretariat bestellen

Gewaltfreiheit wirkt - Hintergrundinformationen zu ausgewählten Beispielen:

(3) 1918-47 Indien: Salzmarsch

Der Salzmarsch oder die Salz-Satyagraha von 1930 war eine Kampagne Mohandas Karamchand Gandhis, die das Salzmonopol der Briten brechen sollte und letztlich zur Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien führte. Der Salzmarsch war die spektakulärste Kampagne, die Gandhi während seines Kampfes um Unabhängigkeit initiierte. Diese Aktion sollte den zivilen Ungehorsam beflügeln und ein Zeichen gegen die Abhängigkeit von zu hohen Steuern durch Großbritannien sein. Dabei zog Gandhi mit 78 seiner Anhänger, ab dem 12. März 1930 von seinem Sabarmati-Ashram bei Ahmedabad über 385 Kilometer nach Dandi am Arabischen Meer. Dort kam er 24 Tage später an und hob als Symbolhandlung einige Körner Salz auf, um damit gegen das britische Salzmonopol zu demonstrieren. 

Salz war seit jeher ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Indiens und zudem für die Bevölkerung notwendig, um einerseits das Grundnahrungsmittel Reis zuzubereiten, andererseits im heißen Klima den täglichen Elektrolytverlust auszugleichen. Gandhi forderte seine Landsleute auf, es ihm unter Verzicht von Gewalt gleichzutun, was in ganz Indien geschah: Nicht nur seine Anhänger begannen, ihr Salz selbst zu gewinnen, indem sie Salzwasser in einer Schüssel in die Sonne stellten und verdunsten ließen, sondern auch andere Inder beteiligten sich. Hinzu kam, dass sie das gewonnene Salz nicht nur für private Zwecke benutzten, sondern es auch steuerfrei weiterverkauften.

Weil jede Form der Salzgewinnung, des Salztransports und des Salzhandels den Briten vorbehalten war, wurden an die 50.000 Inder in der Folge verhaftet, darunter fast alle Führer der Kongresspartei Indiens, was den Erfolg der Aktion außergewöhnlich beschleunigte.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Salzmarsch

 

(4) 1923 Ruhrgebiet, Deutschland: Passiver Widerstand gegen belgische und französische Besatzer

 Zwischen dem 11. und dem 16. Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen in einer Stärke von zunächst 60.000, später 100.000 Mann das gesamte Ruhrgebiet bis Dortmund. Vorübergehend wurden im Frühjahr und Sommer desselben Jahres auch Teile des bergischen Industriegebiets von französischen Verbänden besetzt, namentlich Remscheid und Lennep (März 1923 bis Oktober 1924) sowie kurzzeitig auch Barmen (Juli 1923), während Elberfeld unbesetztes Gebiet blieb und Solingen bereits im seit 1919 britisch besetzten Brückenkopfgebiet um Köln lag.

Ziel der Besatzung war es, die dortige Kohle- und Koksproduktion als „produktives Pfand“ zur Erfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen zu sichern.

Die Besetzung löste in der Weimarer Republik einen Aufschrei nationaler Empörung aus. Die Reichsregierung unter dem parteilosen Kanzler Wilhelm Cuno rief die Bevölkerung am 13. Januar 1923 zum „passiven Widerstand“ auf. An Frankreich und Belgien wurden keine Reparationen mehr gezahlt. Industrie, Verwaltung und Verkehr wurden mit Generalstreiks teilweise lahmgelegt. 

Betriebe und Behörden leisteten teilweise den Anordnungen der Besatzer nicht Folge. Frankreich reagierte darauf mit 150.000 verhängten Strafen, die mitunter bis zur Ausweisung aus dem besetzten Gebiet gingen. Während des passiven Widerstands wurden die Löhne von etwa zwei Millionen Arbeitern im Ruhrgebiet vom Staat übernommen, zu diesem Zweck wurde mehr Geld gedruckt. Wirtschaftskrise, Inflation und Produktions- und Steuerausfälle belasteten den reichsdeutschen Haushalt. Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann verkündete am 26. September 1923 den Abbruch des passiven Widerstands. Das Ende des Ruhrkampfs ermöglichte eine Währungsreform, die eine Bedingung für eine Neuverhandlung der Reparationen war. 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrbesetzung


(5) 1929, Nordwestliche Grenzprovinz, Indien

Abdul Ghaffar Khan war ein Pionier der Gewaltlosigkeit in einer von Kriegen zerrütteten Region. Die Paschtunen verehren Abdul Ghaffar Khan noch heute als "Badshah Khan" (König der Anführer). Er gründete die "Anjuman e islah ul Afghana" (Reformistische Vereinigung der Afghanen) und verlegte das Magazin "Pashtoon" (Der Paschtune), um auch die von den Briten beherrschten Massen zu erreichen. Diese Bemühungen mündeten in den 1920ern in der Gründung der "Khudai Khidmatgaran" (Gottesdiener): Eine Armee von zehntausenden unbewaffneten Paschtunen, die sich auf passiven Widerstand durch zivilen Ungehorsam beschränkten. Von den Briten wurden sie aufgrund ihrer auffälligen roten Protestkleidung "Red Shirts" genannt. 

Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die britische Herrschaft im Nordwesten Indiens schossen britische Truppen am 23. April 1930 auf Unbewaffnete und töteten Hunderte von Demonstranten. Doch später rebellierten die Soldaten, anstatt ein weiteres Blutbad anzurichten. In Peshawar verweigerten sie den Schießbefehl im "Qissa Khwani"-Basar, dem Basar der Märchenerzähler. Dieses Ereignis wird heute als Wendepunkt im Bemühen um die indische Unabhängigkeit gewertet. König George VI selbst ließ daraufhin eine Untersuchung der Ereignisse anordnen.

Ein besonderes Anliegen Ghaffar Khans war die Verbindung von Islam und Gewaltlosigkeit.. Die Beendigung der Stammesfehden zog sich über Jahre hin. Dafür blieb im Leben vieler Khudai Khidmatgar die Betonung der Gewaltlosigkeit auch nach dem Abzug der Briten wichtig. Sie hatte eine moralische und religiöse Bedeutung bekommen. Das Verschwinden lang gehegter Feindschaft und Hass war für viele der beständigste Gewinn.

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Khan_Abdul_Ghaffar_Khan

http://de.qantara.de/inhalt/abdul-ghaffar-khan-pionier-der-gewaltlosigkeit

http://wagingnonviolence.org/2013/07/who-was-badshah-khan/

  

(7) 1942 Norwegen: Lehrer/innen widersetzen sich der Naziideologie

Nachdem der militärische Widerstand gegen die Besatzung Norwegens 1940 durch die Deutschen in kurzer Zeit zusammengebrochen war, organisierte sich sehr schnell ein breiter gewaltfreier Widerstand gegen die Besatzer. Es begann mit symbolischen Widerstandsaktionen. Die Bevölkerung trug norwegische Flaggen an der Kleidung. Im Winter 1940/41 trugen sie rote Zipfelmützen als Symbol des Widerstandes, die sogleich verboten wurden. Die Menschen gingen daraufhin dazu über, Büroklammern an ihre Kleidung zu heften, was soviel heißen sollte wie "Wir halten zusammen". Auch dies wurde untersagt. Doch sobald ein Symbol verboten wurde, tauchte ein neues auf.

Der seit Februar 1942 amtierende norwegische Ministerpräsident und Nationalsozialist Vidkun Quisling kündigte einen NS-Lehrerverband an. Dem sollten alle Lehrer/innen beitreten und schriftlich die Prinzipien der nationalsozialistischen Erziehung anerkennen.

Über 90 Prozent der 14.000 LehrerInnen - so Magne Skodvin - kamen dieser Aufforderung nicht nach. Sie verdeutlichten dagegen in einer öffentlichen Erklärung, dass sie sich nicht gleichschalten lassen würden. Auch als mit der Entlassung der LehrerInnen gedroht wurde, erschienen alle weiterhin in ihren Schulen und unterrichteten nach den alten Regeln und Gesetzen. Diese Aktion wurde durch die persönliche Erklärung von über 200.000 Eltern an das Kultusministerium unterstützt.

Schließlich griffen die Nationalsozialisten zu härteren Maßnahmen und schickten ca. 1.000 Lehrer in Straflager und KZs. Die Lehrer aber konnten ihren Widerstand auch deshalb leisten, weil sie ihre Familien von der Mehrheit der norwegischen Gesellschaft geschützt und versorgt wussten.

Quelle: http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/fr-gesel/dfber151.html

 

(9) 1943 Berlin, Deutschland: Mahnwachen in der Rosenstraße

Vor dem Haus der Rosenstraße 2-4, der mitten in der Berliner City gelegenen, damals wichtigsten Behörde der jüdischen Gemeinde, stehen in der Nacht des 27. Februars 1943 hunderte von Frauen. Sie stehen dort am Sonntag, dem 28. Februar. Sie stehen dort - tags, nachts - am Montag, dem 1. März, am Dienstag, dem 2. März, am Mittwoch, am Donnerstag. Am Freitag war die Straße "dunkel wie ein See von Köpfen, tausend Leute. Die SS richtete Maschinengewehre auf uns". 

Ein Gesetz vom Mai 1933 verbot alle nicht von Nazis organisierten Demonstrationen. Dass es diese Demonstration im Februar/März 43 gab, dass es Frauen waren, die als einzige während der Nazi-Zeit öffentlich demonstrierten, dass sie Erfolg hatten, wissen wenige. 

Am Samstag, den 6. März gab Goebbels den Befehl, alle in der Rosenstraße inhaftierten Juden aus Mischehen freizulassen. Die Festnahmen werden als "Versehen und Übergriff der Berliner Gestapo" ausgegeben. 

Fünfundzwanzig dieser Inhaftierten wurden noch während der Proteste nach Auschwitz deportiert. Drei Wochen nach der Protestaktion der Frauen wurden die Männer aus dem Konzentrationslager wieder entlassen und mit dem Zug in ein Arbeitslager in der Berliner Umgebung zurückgebracht. 

In Berlin wurden im Zuge der sogenannten Fabrikaktion ungefähr 27.000 "ungeschützte" Juden, die nicht unter eine der Ausnahmekategorien der Nationalsozialisten fielen, verhaftet und in vier Sammellagern (zwei Kasernen, das Konzerthaus "Clou", die Synagoge in der Levetzowstraße) interniert. Ein Teil der ca. 2.000 bei der Fabrikaktion verhafteten "Mischlinge" oder in "Mischehe" lebenden Juden, die aufgrund ihres "geschützten" Status nicht in diese Deportationen eingeschlossen waren, wurden getrennt in einem Verwaltungsgebäude der Jüdischen Kultusvereinigung in der Rosenstraße 2-4 und in einem Gebäude in der Großen Hamburger Straße festgehalten. 

Quelle: http://www.rosenstrasse-protest.de/info/index_info.html

 

(10) 1943 Bulgarien

In Bulgarien lebten 1943 etwa 60.000 Juden, fast die Hälfte von ihnen in Sofia. In den annektierten Gebieten Thraziens und Mazedoniens lebten etwa 12.000 Juden, die meisten griechischer oder jugoslawischer Staatsangehörigkeit. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs führte Bulgarien eine antijüdische Gesetzgebung ein; nur deren vermögensrechtlicher Teil wurde konsequent umgesetzt. Im März 1943 lieferte Bulgarien die „fremden“ Juden Thraziens und Makedoniens zur Deportation aus. Die bulgarischen Juden blieben nach von Protesten aus der Bevölkerung und dem Parlament verschont. Danach war die bulgarische Führung angesichts der Kriegswende immer weniger bereit, sich durch die Auslieferung der bulgarischen Juden international zu diskreditieren. So konnten die Juden des bulgarischen Kernlandes überleben.[51]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Bulgariens

 

(12) 1953 Workuta, UdSSR

Das Workuta-ITL – eines der größten und härtesten Zwangsarbeiterlager des Gulag – bestand offiziell vom 10. Mai 1938 bis zum 1. Januar 1960.[1] Bereits vor 1938 existierte in dem Gebiet ein Besserungsarbeitslager (ITL), welches im Zuge der sogenannten Uchta-Expedition[2] entlang des Flusses Petschora entstanden war. (Deswegen trug das Lager auch den offiziellen Namen Workuta-Petschora-ITL oder kurz WorkutPetschLag.) Begleitet von Angehörigen der Geheimpolizei OGPU wurden schon im Juni 1929 Expeditionen – bestehend aus Geologen, die aus anderen Konzentrationslagern stammten und ihre Freilassung versprochen bekamen – in die nördlichen Regionen des Urals, der ASSR der Komi, ausgesandt, um herauszufinden, ob die bereits seit zaristischen Zeiten vermutete große Menge an Bodenschätzen dort vorzufinden sei.[3] Spätestens nach Probebohrungen im Jahr 1931 wurden diese enormen Rohstoffvorkommen auch nachgewiesen und Schätzungen von 1937 zufolge war in der Region um Workuta mit etwa 37,5 Milliarden Tonnen Steinkohle (neben Erdgas, Erdöl u. a.) zu rechnen. Aufgrund des hohen Bedarfs an Kohle im Zuge der forcierten Industrialisierung der Sowjetunion wurde daher 1929 in der unwirtlichen Gegend von Workuta, die kaum ein Arbeiter freiwillig betreten hätte, eine Siedlung durch die etwa 9.000 dahin verschleppten Zwangsarbeiter errichtet, um die Rohstoffe abzubauen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslager_Workuta


(13) 1955 Alabama, USA: Rosa Parks

Parks begann im Dezember 1943 als Sekretärin bei der NAACP in Montgomery und arbeitete dort neben ihrem Beruf als Schneiderin. Die Rassentrennung war damals in Montgomery stark ausgeprägt; so gab es z. B. Schulen, Parkbänke oder Aufzüge „Whites only“ und „Coloreds only“ (nur für Weiße/Farbige). Die Busse waren ebenfalls getrennt, allerdings nicht vollständig. Es waren vorne vier Reihen für Weiße reserviert, die oft leer blieben, aber von den afroamerikanischen Passagieren nicht benutzt werden durften. Der hintere Teil, der für sie reserviert war, war meist überfüllt. Außerdem gab es einen mittleren Abschnitt, den schwarze Personen benutzen durften, allerdings war eine komplette Reihe zu räumen, sobald auch nur ein weißer Passagier in dieser Reihe sitzen wollte (um die Trennung aufrechtzuerhalten).  

Am 1. Dezember 1955 trat genau dieser Fall ein. Ein weißer Fahrgast verlangte die Räumung der reservierten Sitzreihe, in der sich Parks befand. Die übrigen Personen machten den Platz frei, doch die damals 42-Jährige weigerte sich, da sie nicht die übrige Fahrt hindurch stehen wollte. Der Busfahrer James Blake rief daraufhin die Polizei und bestand auf ihrer Verhaftung. So wurde Parks wegen Störung der öffentlichen Ruhe verhaftet, angeklagt und zu einer Strafe von 10 Dollar und 4 Dollar Gerichtskosten verurteilt.  

Teilweise als Antwort auf ihre Verhaftung organisierte Martin Luther King, zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbekannter Baptistenprediger, mit seiner Montgomery Improvement Association den Montgomery Bus Boycott, der später die Behörden dazu zwang, die Rassentrennung innerhalb von Bussen und Zügen aufzuheben, und der als Auslöser vieler anderer Proteste der Bürgerrechtsbewegung in Amerika gilt.  

Rosa Parks wurde dadurch zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Gleichzeitig wurde sie aber auch zur Zielscheibe von Drohungen und ständigen Telefonanrufen, die bei ihrem Mann, Raymond Parks, zu einem Nervenzusammenbruch führten. Daraufhin zog das Paar 1957 nach Detroit um. Sie blieb jedoch weiterhin in der Bürgerrechtsbewegung aktiv. 1995 gehörte sie zu den Rednern beim Millionen-Mann-Marsch in Washington, D.C. 

Quelle :https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Parks


(14) 1956 Sizilien, Italien

Danilo Dolci (* 28. Juni 1924 in Sežana, heute Slowenien; † 30. Dezember 1997 in Trappeto, Sizilien) war ein italienischer Architekt, Soziologe, Sozialreformer und Pazifist. Er wurde bekannt durch seine Anti-Mafia-Initiativen in Sizilien und den Aufbau einer gewaltlosen sozialen Bewegung. Man nannte ihn auch den „Gandhi Siziliens“.  

1952 gab er sein Architekturstudium auf und begann damit, im sizilianischen Fischerdorf Trappeto gemeinsam mit den Einwohnern den Bau einer Erwachsenenschule, eines Kindergartens, eines Krankenhauses, eines Waisenhauses und einer Bewässerungsanlage zu organisieren. Bekannt wurde er durch viele phantasievolle gewaltfreie Aktionen, z. B. den „umgekehrten Streik von Partinico“, bei dem er gemeinsam mit 200 Arbeitslosen eigenmächtig eine Landstraße reparierte, was die Behörden als illegale Aktion werteten und verfolgten. 1958 bekam er den Lenin-Friedenspreis und gründete mit dem Preisgeld ein Forschungsinstitut in Partinico, das Centro studi e iniziative per la piena occupazione (Studienzentrum und Initiative für die Vollbeschäftigung).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Danilo_Dolci

 

(16) 1964-1974 Zypern

Geteiltes Land, geteilte Stadt. In Nikosia sorgen seit 1964 UNO-Soldaten für Frieden zwischen dem griechischen Süden und dem türkischen Norden.  

Nikosia. Ähnlich wie einst in Berlin und immer noch in Belfast, ist das zypriotische Nikosia eine geteilte Stadt. Die berühmte Grenze heißt Leda-Strasse. Seit 1974 – dem Jahr der türkischen Besetzung – ist die Insel geteilt. Und zwar in einen griechischen Süden – die Republik Zypern und EU-Mitglied – und in einen türkischen Norden. Zwischen beiden Teilstaaten steht die UNO, die mit ihren Blauhelmen als Friedensstifter fungiert.  

Wer die Stadt Richtung Norden besuchen will, wird von Sandsäcken, Stacheldrähten und verbarrikadierten Häusern behindert. Dahinter verläuft die “Green Line”, eine insgesamt 180 Kilometer lange Grenzlinie. Diese trennt den griechisch-zypriotischen Süden vom türkisch-zypriotischen Norden. Innerhalb dieser “Green Line”, die auch als Demarkationslinie quer durch das Zentrum der Hauptstadt Nikosia geht, sind die UN-Blauhelme ständig in Bewegung.

Quelle: http://www.m-media.or.at/welt/zypern-wie-die-uno-in-europa-frieden-stiftet/2013/06/17/ 


(17) 1965-1970 Kalifornien, USA: Cesar Chávez

Der Slogan »Sí Se Puede!« wurde erstmals 1965 im Delano-Weintrauben-Streik in Kalifornien von den GewerkschafterInnen César Chávez und Dolores Huerta verwendet. Damals begannen philippinisch-amerikanische LandarbeiterInnen einen Streik für einen Mindestlohn bei der Weinlese. Der Arbeitskampf wurde schnell von einer Organisation mexikanisch-amerikanischer LandarbeiterInnen unterstützt und ausgeweitet. Der Streik dauerte fünf Jahre und führte schließlich zur Gründung der Gewerkschaft »United Farm Workers« (heute Teil des US-Gewerkschaftsdachverbandes »Change to Win«). Der heutige US-Präsident Barack Obama machte sich diesen Slogan (»Yes We Can!«) im Wahlkampf 2007/2008 um die US-Präsidentschaft zu eigen, um lateinamerikanische WählerInnen anzusprechen.

Quelle: http://si-se-puede.at/de/si-se-puede/


(18) 1968-1998 Nordirland

Die Corrymeela Community in Nordirland wurde 1965 von Ray Davey, einem presbyterianischen Geistlichen, gegründet. Wenige Jahre nach der Entstehung von Corrymeela begann sich der Nordirland-Konflikt gewaltsam zu entladen.  

Corrymeela bedeutet „Hügel der Harmonie" und ist eine christliche Gemeinschaft, deren Hauptanliegen in der Versöhnung zwischen den Konfliktparteien in Nordirland liegt. Die Vision von Corrymeela ist eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt und in gegenseitigem Respekt leben können und Konflikte im Dialog gelöst werden.  

Die Gemeinschaft versteht sich als offen für Menschen jeglichen Glaubens oder ohne Glauben und für Menschen aller sozialen Gruppen. Von großer Bedeutung ist, dass Corrymeela ein Zentrum von und für beide Traditionen, aber von den offiziellen politischen und religiösen Institutionen unabhängig ist. Die Programme von Corrymeela konzentrieren sich auf verschiedene Gruppen (z.B. ehemalige Gefangene), Jugendliche, Familien, Schulen und auf Fragen des Glaubens. Die Gemeinschaft betreibt zwei Wohnzentren, in Ballycastle und Knocklayd, sowie ein Verwaltungszentrum in Belfast.  

In der Praxis der Versöhnungsarbeit hat Corrymeela Pionierarbeit geleistet. Der Hauptansatz, der hier verfolgt wird, liegt in der Förderung von persönlichem Kontakt zwischen Menschen unterschiedlichen Hintergrunds als Weg, um Spannungen abzubauen. Die Gemeinschaft bietet für Individuen und Gruppen die Möglichkeit, sich in einem sicheren Raum, abseits des Alltags, zu begegnen. Dort können Erfahrungen ausgetauscht, unterschiedliche Perspektiven wahrgenommen und alternative Wege aus der Gewalt gesucht werden. Um Vertrauensbildung, das Abbauen von Vorurteilen und die Bereitschaft, die Sichtweise des jeweils „anderen" anzuerkennen, möglich zu machen, geht es zunächst aber immer auch darum, sich seiner eigenen Identität bewusst und sicher zu werden.  

Ziel ist in weiterer Folge dann auch, dass die Menschen Fragen von Versöhnung und Gemeinschaftsbeziehungen in ihren eigenen Gruppen und Gemeinden weiterverfolgen.

Quelle: http://www.whywar.at/versoehnung

 

(19) 1969 Ahmedabad, Indien

Shanti Sena ist Sanskrit für Friedens-(Shanti) Armee (Sena). Der Begriff wurde von Mohandas Karamchand Gandhi geprägt, um seine Idee einer „gewaltfreien Eingreiftruppe“ zu beschreiben. Tatsächlich formierte sich die „offizielle“ indische Shanti Sena erst im Jahre von Gandhis Ermordung. In unterschiedlichen Ansätzen existiert die Bewegung in Indien bis heute, wurde jedoch seit den 80er Jahren stark geschwächt. Sie ist Vorbild für weltweite Bewegungen der Gewaltfreien Intervention, wie etwa Peace Brigades International. Die Mitglieder der Shanti Sena heißen Sainiks.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Shanti_Sena 

 

(20) 1970-1981 Larzac Hochebene, Frankreich: Protest der Larzac-Bauern

Im Larzac, einer Hochebene hundert Kilometer nördlich von Montpellier, wollte die französische Regierung in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Truppenübungsplatz erheblich erweitern. Die Region lag einigen Leserinnen und Lesern vielleicht schon einmal auf der Zunge: in Gestalt des würzigen Roquefort-Käses. Er wird aus Schafsmilch gewonnen und in

Höhlen des Berges Combalon nahe dem Ort Roquefort zum Reifen gebracht. Durch die Pläne der Zentralregierung, die auf Enteignung der Felder und des Weidegeländes hinausliefen, fühlten sich die Farmer in ihrer Existenz bedroht. Einige schon zum zweiten Mal in ihrem Leben. Hatten sie doch nach der Unabhängigkeit Algeriens dort ihre Farm verloren und sich im Larzac eine neue Existenz aufgebaut. Inspiriert durch Lanza del Vasto, der eine Zeit lang Mitstreiter Gandhis in Indien war und nach dem Zweiten Weltkrieg in Südfrankreich die Gemeinschaft der Arche gestiftet hatte, entwickelte die verschworene Gemeinschaft von 103 Farmern eine mit bäuerlicher List gepaarte, gewaltfreie Widerstandsstrategie. Ganz Frankreich lachte über die Schafe aus dem Larzac, die, bei Nacht und Nebel nach Paris verfrachtet, auf dem Marsfeld unter dem Eiffelturm grasten. Die Hauptstadt-Polizisten hatten ihre liebe Not mit den dort nicht vorgesehenen Viechern, derweil die Larzac-Bauern in den umliegenden Bistros saßen und sich ins Fäustchen lachten. Die Medien hatten eine gute Story und verhalfen dem Kampf des Larzac zu landesweiter und internationaler Aufmerksamkeit und Sympathie. Das Hochplateau des Larzac wurde schließlich im Sommer 1974 zu einer Pilgerstätte für Hunderttausende von Franzosen und anderen Westeuropäern, viele auf der Suche nach alternativen

Lebens– und Gesellschaftsentwürfen. Die Aktionen der Larzac-Bauern und ihrer Verbündeten waren fantasievoll, witzig und tiefgründig. Sie pflügten Felder um, die bereits durch die Zentralregierung enteignet worden waren, säten und ernteten darauf Getreide. Das waren zwar Akte des zivilen Ungehorsams aber die Polizei wagte nicht dagegen vorzugehen, nachdem der Widerstand des Larzac

bereits zur nationalen Legende geworden war. An ihr kam niemand vorbei, der im links-alternativen Lager was werden wollte – auch eine Art von Machtentfaltung. So hielt es der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, Francois Mitterand, für ratsam auf dem Hochplateau des Larzac zu erscheinen und zu versprechen als Präsident die Militärpläne zu stoppen. Und er hat Wort gehalten. Für ihn war das eine Frage der Ehre. Am 10. Mai 1981 wurde Mitterand zum Präsidenten gewählt, am 3. Juni 1981 bestätigte die neue Regierung Mauroy offiziell den Verzicht der Republique Francaise auf das Erweiterungsprojekt.

Quelle: http://www.guetekraft.net/ffone/ffLibrary/downloads/dlfiles/ar2013-0122vrv_freieheide%20kippt%20bombodrom.pdf

 

(24) 1974 Whyl, Deutschland: Stopp eines AKW-Baus

Kurz nach der Ankündigung begannen 27 Bürger aus Wyhl, gegen den Bau des geplanten Kraftwerks zu protestieren. Bald darauf gründeten sich in umliegenden Ortschaften und im Elsass Initiativen: Kondensdämpfe aus den Kühltürmen könnten die Sonneneinstrahlung vermindern und Nebel vermehren, Kühlwasser aus dem Kraftwerk könne den Rhein aufheizen und sein biologisches Gleichgewicht gefährden, vor allem aber die Entwicklung des Rheintales zur industriellen Zone, zu einem „zweiten Ruhrgebiet“, waren die ersten Gründe für die Ablehnung.  

Im Landratsamt des Kreises Emmendingen, zu dem Wyhl gehört, werden 1973 und 1974 rund 100.000 Unterschriften und zahlreiche Einsprüche gegen den Bau des Kernkraftwerks abgegeben. Zahlreiche Schreiben gehen auch an den Bundesinnenminister Werner Maihofer, darunter auch am 9. August 1974 durch den Pfarrer von Emmendingen-Windenreute, der sich unter anderem enttäuscht über den Erörterungstermin zum Bau des Kernkraftwerkes in Wyhl äußert.  

Vorausgegangen und mit konstituierend für den hiesigen Widerstand war bereits auch der erfolgreiche Kampf gegen die Errichtung eines Blei-Chemie-Werks in Marckolsheim im benachbarten französischen Elsass auf der anderen, westlichen Seite des Rheins.[5]  

Im Januar 1975 stimmten über 50 Prozent der wahlberechtigten Bürger von Wyhl in einem Bürgerentscheid für den Verkauf des Geländes an den Kraftwerksbetreiber, da sie sich Arbeitsplätze erhoffen. Am 22. Januar wird schließlich die Teilerrichtungsgenehmigung erteilt und die sofortige Vollziehung angeordnet.  

Am 27. Januar 1975 hielt das Verwaltungsgericht Freiburg eine Sitzung in Breisach ab, um die erste Teilgenehmigung für das Kernkraftwerk Wyhl zu prüfen. Am Prozess waren drei Richter und 45 geladene Sachverständige beteiligt, Kläger waren die Gemeinden Endingen am Kaiserstuhl, Forchheim (Kaiserstuhl), Lahr/Schwarzwald, Sasbach am Kaiserstuhl, Schwanau, Weisweil und einige Privatpersonen. Thema des Prozesses waren die Auswirkungen der radioaktiven Emissionen und des warmen Abwassers auf die Umwelt.  

Am 17. Februar 1975 wurde mit der Errichtung der Baustelle für das erste Reaktorgebäude begonnen, obwohl die letztgültige Genehmigung für den Bau des Kernkraftwerks noch ausstand.[6] In der Folge wurde am Tag darauf von Protestierenden die Baustelle des Kraftwerkes besetzt.  

Das Verwaltungsgericht hat am 21. März 1975 die sofortige Vollziehung der 1. Teilerrichtungsgenehmigung (TEG) ausgesetzt und damit über einen Baustopp verfügt.  

Am 14. Oktober 1975 wurde der vom Verwaltungsgericht Freiburg im März 1975 verhängte Baustopp nach einem Einspruch der Landesregierung unter Ministerpräsident Hans Filbinger vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim aufgehoben.[7] Die Richter betonten jedoch, dass das Risiko für den Beginn der ersten Bauphase von der Kernkraftwerk Süd GmbH selbst zu tragen sei und dass die Entscheidung in der Hauptsache, welche das Verwaltungsgericht Freiburg zu fällen habe, immer noch negativ ausfallen könne. Die Bauplatzbesetzer, die das Gelände des Kernkraftwerks seit 18. Februar 1975 blockierten, bezeichneten das Urteil als eine erste Schlappe für ihren Einsatz.[8]  

Dennoch demonstrierten am 8. Oktober 1976 rund 1000 Bürger gegen Ministerpräsident Filbinger im benachbarten Kiechlinsbergen und am 30. Oktober ebenfalls rund 1000 Menschen bei der „Platzbegehung“ im Wyhler Wald. Am 6. November beteiligen sich rund 1.200 Menschen am „Solidaritätsfackelzug“ für Brokdorf in der Freiburger Innenstadt. Nach weiteren Bauvorbereitungen und der Installation eines Baustromanschlusses wurde die Baustelle erneut durch Protestierende besetzt.  

Der Widerstand gegen die Errichtung eines Kernkraftwerks am Kaiserstuhl wurde von breiten Teilen der regionalen Bevölkerung, von Teilen des lokalen Klerus ebenso wie von Landwirten als auch Akademikern und Intellektuellen sowie Künstlern, vor allem aber auch von vielen traditionellen CDU-Anhängern getragen (in der Gegend setzte ein massiver Schwund unter den Parteimitgliedern ein) und verlief weitgehend friedlich. Der erfolgreiche Protest hatte Signalwirkung auf andere Standorte wie Brokdorf, Grohnde oder Kaiseraugst (Schweiz), der friedliche Charakter ging jedoch verloren: Beim Kampf gegen die Errichtung des Kernkraftwerk Brokdorf kam es im Herbst 1976 zu bürgerkriegsähnlichen Schlachten zwischen Polizei und Demonstranten.[3] 

Darüber hinaus kann er als grundlegender Impuls überhaupt für die neuzeitliche Antiatomkraft-, Bürgerinitiativen- und Umweltbewegung in Deutschland gelten, inklusive der Herausbildung und Gründung einer „grünen“ Partei.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl

  

(26) 1977 Tschecheslowakei

Charta 77 bezeichnet sowohl eine im Januar 1977 veröffentlichte Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei als auch die mit ihr verbundene Bürgerrechtsbewegung, die in den 1970er und 1980er Jahren zum Zentrum der Opposition wurde. 

1976 schlossen sich Künstler und Intellektuelle, aber auch Arbeiter, Priester, Exkommunisten und ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes – unter ihnen etwa der Dramatiker Václav Havel, Jiří Hájek und Jiří Dienstbier (Politiker des Prager Frühlings) – und andere, gewöhnliche Tschechoslowaken zusammen, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die im Widerspruch zu der vom tschechoslowakischen Außenminister unterschriebenen Schlussakte von Helsinki standen. 

Unmittelbarer Auslöser waren die Repressionen des Regimes gegenüber der Band Plastic People of the Universe. Die direkt nach der Invasion des Warschauer Paktes gegründete Band hatte seit 1968 mehrere Festivals mit alternativer Musik veranstaltet. Die Gruppe war ein wichtiger Anziehungspunkt für eine staatsunabhängige Kulturszene und hatte insbesondere bei jüngeren Menschen Erfolg. Bei einem Konzert im Februar 1976 wurden die Mitglieder der Gruppe inhaftiert und viele der Konzertbesucher ausgiebig verhört. Die Aktion sorgte für nationale und internationale Proteste. Václav Havel selbst sah die Repressionen gegen die Plastic People als Angriff des totalitären Systems auf das Leben selbst, auf die menschliche Freiheit und Integrität. Für Havel galt es, einen Präzedenzfall zu verhindern. 

Am 1. Januar 1977 wurde die Charta 77 mit 242 Unterschriften veröffentlicht und am 7. Januar 1977 in führenden europäischen Zeitungen wie The Times, Le Monde oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt. In den tschechoslowakischen Massenmedien wurde der Text nicht veröffentlicht. Im Januar und Februar 1977 setzte eine intensive staatliche Kampagne gegen die Charta ein; ihre Existenz war innerhalb weniger Tage im ganzen Land bekannt. 

Am 1. Februar 1977 wurde ein Verzeichnis weiterer 208 Unterzeichner veröffentlicht. Bis zum Sommer 1977 erhöhte sich die Zahl der Unterschriften auf 600. Bis Ende 1977 hatte die Charta 800 Unterzeichner, bis 1985 etwa 1200 und bis 1989 schließlich 2000. Hauptsächliche Verfasser der Erklärung und erste Sprecher der Bewegung waren Václav Havel, der Philosoph Jan Patočka und der ehemalige Außenminister Jiří Hájek. Bereits im Januar 1977 gründete sich ein internationaler Ausschuss zur Unterstützung der Charta 77, dem unter anderem Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt, Graham Greene und Arthur Miller angehörten. 

Inhaltlich stellt die Charta die Rechte, die in der KSZE-Erklärung und teilweise auch in tschechoslowakischen Gesetzen gewährt wurden, der Realität gegenüber. Sie bezeichnet das Recht auf freie Meinungsäußerung als völlig illusorisch, Hunderttausenden von Bürgern wird die „Freiheit von Furcht“ (Präambel des Ersten Paktes) verweigert, das Recht auf Bildung wird verweigert, da hunderttausende von Jugendlichen wegen ihrer Ansichten oder der Ansichten ihrer Eltern nicht zum Studium zugelassen werden, die Bekenntnisfreiheit wird von machthaberischer Willkür systematisch eingeschränkt, insgesamt ist Das Instrument der Einschränkung und häufig auch der völligen Unterdrückung einer Reihe von bürgerlichen Rechten […] ein System faktischer Unterordnung sämtlicher Institutionen und Organisationen im Staat unter die politischen Direktiven des Apparats der regierenden Partei und unter die Beschlüsse machthaberisch einflussreicher Einzelpersonen. Soweit Forderungen erhoben werden, beziehen sich diese einzig darauf, dass die tschechoslowakische Regierung die von ihr unterzeichneten Verträge, insbesondere die Schlussakte von Helsinki, einhält.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_77 

 

(27) 1977-1982 Buenos Aires, Argentinien

Die Madres de Plaza de Mayo („Mütter des Platzes der Mairevolution“) ist eine Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder unter der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 unter zunächst ungeklärten Umständen „verschwanden“ (Desaparecidos). Erst nach und nach stellte sich heraus, dass das systematische, geheimgehaltene Verschwindenlassen politischer Gegner ein Teil des so genannten schmutzigen Krieges (Guerra Sucia) des Militärs war. Nach dem Übergang zur Demokratie zeigte sich unter anderem in offiziellen Untersuchungen, dass auf diese Weise bis zu 30.000 Menschen ermordet worden waren. Die Mütter gehörten zu den wenigen Menschen in Argentinien, die dagegen öffentlich protestierten. Sie gerieten dadurch selbst in Gefahr, so verschwand ihre erste Vorsitzende, Azucena Villaflor, ebenfalls spurlos.  

Der Name bezieht sich auf die Plaza de Mayo, den Platz vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires, auf dem sich die Frauen seit der Militärdiktatur trafen, um gegen das Unrecht des Verschwindenlassens zu protestieren, das ihre Familien auseinanderriss und um Aufklärung der Taten und Bestrafung der Schuldigen zu fordern. Jeden Donnerstag, erstmals am 30. April 1977, umrunden sie für eine halbe Stunde stumm den Platz, weil Proteste im Stehen seinerzeit verboten waren. Das aus Trauer und Protest getragene weiße Kopftuch der Madres wurde zum bekannten Symbol ihres Widerstands und Kampfes für Gerechtigkeit. Nélida Gómez de Navajas war eine der Initiatorinnen.

Die erste Anführerin der Madres war Azucena Villaflor de Vicenti, sie „verschwand“ wie viele andere Argentinier. Ihre Nachfolgerin und heutige Führerin ist Hebe de Bonafini. 

Die Amnestiegesetze und Gnadenerlasse, insbesondere das Schlusspunktgesetz und das Gesetz über die Gehorsamspflicht, die die Militärs lange geschützt hatten, wurden während der Amtszeit des von 2003 bis 2007 regierenden Präsidenten Néstor Kirchner aufgehoben und durch das argentinische Verfassungsgericht[1] für verfassungs- und völkerrechtswidrig und somit für nichtig erklärt. Die Madres betreiben heute als nationale Institution eine eigene Zeitung, eine Buchhandlung, einen Radiosender und eine Universität. Am 30. Jahrestag wurden die mittlerweile betagten Mütter mit einem Festakt in Buenos Aires sowie mit zahlreichen Veranstaltungen geehrt.

 Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Madres_de_Plaza_de_Mayo

 

(29) 1980-1989 Polen

Die Gewerkschaft Solidarność entstand aus einer Streikbewegung von Arbeitern im Sommer 1980. Von Anfang an wurde die Arbeiterbewegung von regimekritischen Intellektuellen, wie Tadeusz Mazowiecki, Bronisław Geremek, Jacek Kuroń, Adam Michnik, Józef Tischner und weiten Teilen der katholischen Kirche, besonders durch Papst Johannes Paul II., unterstützt. Damit gelang eine Solidarität über Gesellschaftsgrenzen hinweg, die sich dann in einer Volksbewegung gegen das herrschende Regime wandte. Vor allem aus dem westlichen Ausland (USA und Westdeutschland) gab es große Unterstützung. 

Der Auslöser der großen Streikwelle 1980 waren Preiserhöhungen für Fleisch am 1. Juli 1980. Die Streiks waren zunächst lokal begrenzt, griffen dann aber auf das gesamte Land über. In Danzig kam es auf der Leninwerft am 14. August 1980 zum Streik, dessen direkter Anlass die Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz war, einer bekannten Symbolfigur der Streikbewegung des Jahres 1970 an der Küste. Es wurde ein betriebliches Streikkomitee unter der Führung von Lech Wałęsa gegründet. Nach Zugeständnissen der Betriebsleitung sollte der Streik zunächst bereits nach zwei Tagen beendet werden. In der Nacht auf den 16. August wurde beschlossen den Streik aufrechtzuerhalten, um die Entwicklung von vielen vorangegangen Streikbewegungen nicht zu wiederholen und bleibende Ergebnisse zu erreichen. In dieser Folge wurde dann am 17. August 1980 das „Überbetriebliche Streikkomitee“ (Międzyzakładowy Komitet Strajkowy) gegründet, das mit dem Auftrag, sich auch nach Beendigung des Streiks nicht aufzulösen, sondern die Einhaltungen des Erreichten zu überwachen, die sogenannten 21 Forderungen erarbeitete. Diese 21 Forderungen enthielten neben weiteren meist politischen und sozialen Anliegen auch die zentrale Forderung nach der Zulassung von unabhängigen Gewerkschaften. Im Danziger Abkommen vom 31. August 1980 wurde dem von Regierungsseite nach langen Verhandlungen stattgegeben, in der folgenden Zeit formierte sich die 'Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft „Solidarität“'.  

Die Streiks im sogenannten Polnischen August hoben sich deutlich von Streiks in der vorherigen Geschichte der Volksrepublik Polen ab. So wurde zum einen der Streik auf der Leninwerft als Besatzungsstreik organisiert und vom Streikkomitee genauestens koordiniert. So sollte der Staatsmacht keine Gelegenheit zu einem gewaltsamen Einschreiten gegen die Streikenden geboten werden. Ebenso erklärten sich landesweit alle anderen streikenden Betriebe mit dem Überbetrieblichen Streikkomitee an der Küste solidarisch. Besonders durch die Einbeziehung von Intellektuellen in die Arbeit der Streikkomitees konnten der Staatsmacht weitgreifendere Zugeständnisse als zuvor abgetrotzt werden. Diese Kooperation hatte sich seit 1976 durch die Gründung des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) angebahnt, aber auch weitere Intellektuelle unterstützen die Gewerkschaftsbewegung.  

Lech Wałęsa war seit der offiziellen Gründung am 17. September 1980 Vorsitzender von Solidarność. Die staatliche Anerkennung wurde am 10. November 1980 durch die offizielle staatliche Registrierung von Solidarność besiegelt. Im Verlauf ihres Bestehens wurde die Gewerkschaft immer weiter politisiert. Die Solidarność wuchs immer weiter (zum Höchststand ca. 9,5 Mio. Mitglieder), auch viele Mitglieder der kommunistischen Partei PVAP wurden Mitglieder der freien Gewerkschaft. Letztlich waren bis zu 1 Million Parteimitglieder (ca. 30 % der Mitglieder der PVAP) gleichzeitig Mitglieder der Solidarność. Obwohl die meisten von ihnen eher aus niederen Parteirängen kamen, waren nach dem IX. Parteitag der PVAP im Juli 1981 auch 20 % der Mitglieder des Zentralkomitees gleichzeitig Gewerkschaftsmitglieder.  

Der 1. Landeskongress der Solidarność fand in zwei Sitzungsperioden im September und Oktober 1981 statt und wählte Wałęsa zum Vorsitzenden und verabschiedete nach schwierigen Diskussionen ein Programm. Gegen Ende des Jahres 1981 bildeten sich in der Solidarność immer deutlicher zwei gegensätzliche Flügel heraus. Der pragmatische Flügel unter Führung von Lech Wałęsa wurde von verschiedenen Intellektuellen unterstützt und war an einer gemäßigten Konfrontation mit den kommunistischen Machthabern interessiert.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Solidarno%C5%9B%C4%87

 

(32) 1986 Philippinen

Die EDSA-Revolution war eine friedliche Bürgerprotestbewegung auf den Philippinen, die vom 23. bis 25. Februar 1986 zum Sturz des Diktators Ferdinand Marcos führte. Sie wird auf den Philippinen auch Peoples Power Revolution (dt: Volksrevolution) oder Philippine Revolution of 1986 genannt. Benannt wurde sie nach der Epifanio de los Santos Avenue (kurz: EDSA), auf der die größten Demonstrationen stattfanden.  

Unter dem Druck der immer stärker werdenden Bürgerbewegung und dem politischen Druck aus den USA, verkündete Marcos am 23. November 1985 vorgezogene Neuwahlen. Als Präsidentschaftskandidaten wurden die Teams Ferdinand Marcos, Arturo Tolentino, als Vize-Präsident, und für die Opposition Corazon Aquino im Team mit Salvador Laurel nominiert. Die Wahl fand am 7. Februar 1986 statt, wobei Marcos den Wahlsieg für sich reklamierte. Das offizielle Wahlergebnis lautete 10.807.197 für Marcos und 9.291.761 Stimmen für Aquino. Das National Movement for Free Elections (NAMFREL) kam jedoch bei ihrer Auszählung zu einem anderen Ergebnis 7.835.070 Stimmen für Aquino und 7.053.068 Stimmen für Marcos. Es wurden nach der Wahl Stimmen laut, die Marcos der Wahlfälschung bezichtigten und internationale Beobachter der Wahl stimmten dem zu. Die Catholic Bishops' Conference of the Philippines (CBCP) und die USA bezeichneten die Wahlen als unfair und betrügerisch. Marcos ließ sich jedoch am 15. Februar zum Wahlsieger erklären.  

Unter dem Eindruck des gefälschten Wahlausgangs begannen sich unter der Führung von Juan Ponce Enrile oppositionelle Gruppen im Militär zu organisieren. Am 22. Februar um 15 Uhr begann die Rebellion des Militärs. Andere hochrangige Militärs schlossen sich Enrile an, so auch Fidel Ramos. Die nun meuternden Militäreinheiten begannen daraufhin den Flughafen Manila, Radiostationen und Militärbasen rund um die Epifanio de los Santos Avenue zu besetzen. Das Hauptquartier der Meuternden lag im Camp Aguinaldo.  

Kardinal Jaime Lachica Sin unterstützte die Revolte und forderte über den illegalen Radiosender Radio Veritas die Bevölkerung auf, die meuternden Militäreinheiten friedlich zu schützen, damit es zu keinem Blutvergießen kommt. Daraufhin zogen hunderttausende Menschen zu den Militärbasen an der EDSA-Avenue und blockierten die Marcostreuen Truppen. Nonnen und Priester unterstützen die Demonstranten und am 24. Februar standen bereits mehr als eine Million Filipinos auf den Straßen Manilas. Um 13:30 Uhr rückten Marcosgetreue Marineeinheiten mit Transportern und Panzern über die Ortigas Avenue vor, um das Camp Crame einzunehmen. Sie wurden jedoch von den Volksmassen einen Kilometer vor der Militärbasis gestoppt. Der Befehlshaber General Artemio Tadiar gab den Feuerbefehl. Dieser wurde jedoch von den Offizieren und Soldaten ignoriert.  

Corazon Aquino traf gegen 15 Uhr aus Cebu City kommend am Flughafen ein, lobte das Verhalten der Menschen und rief auf, das Marcos-Regime zu stürzen. Gegen 19 Uhr ließ Fidel Ramos verkünden, dass man eine neue Streitmacht gründen und eine neue Regierung unter Aquino einsetzen werde. Daraufhin liefen ein Großteil der Marcostreuen Truppen am 25. Februar zu den Aufständischen über.  

Am 25. Februar wurde Marcos im Malacañang Palace und Aquino im Club Filipino jeweils als die Präsidenten der Philippinen vereidigt. Marcos floh jedoch am selben Tag auf Anraten seiner Berater, des amerikanischen Botschafters und des US-Senator Paul Laxalt. Laxalt forderte ihn auf, einen radikalen Schnitt und Platz für die neue demokratische Regierung zu machen. Daraufhin wurde Marcos mit seiner Frau auf die Clark Air Base bei Angeles City ausgeflogen. Von dort aus reiste er nach Guam und später nach Hawaii.  

Die EDSA-Revolution wurde nach der Flucht von Marcos für offiziell beendet erklärt und die 20-jährige Diktatur des Ferdinand Marcos endete. Dieses Ereignis war eine der wenigen friedlichen Revolutionen, die ohne Blutvergießen, ohne einen Schuss und ohne einen Toten verlief.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/EDSA-Revolution

 

(33) 1988-1991 Baltische Republiken

Der Baltische Weg (litauisch Baltijos kelias, lettisch Baltijas ceļš, estnisch Balti kett) war eine 650 km (nach anderen Angaben: 595 km) lange Menschenkette im Baltikum am 23. August 1989.

50 Jahre nach dem Hitler-Stalin-Pakt, nach dessen Geheimem Zusatzprotokoll Estland, Lettland und Litauen an die Sowjetunion fielen, schlossen sich über eine Million Esten, Letten und Litauer in den drei Ländern zu einer menschlichen Kette zusammen, um ihre Einigkeit in dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren.

Die Menschenkette reichte von Vilnius in Litauen über Riga in Lettland bis nach Tallinn in Estland.[2] Sie ist die längste bekannte Menschenkette der Geschichte.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Baltischer_Weg 

 

(34) 1989 Ostdeutschland

Die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche fanden als dauerhafte Einrichtung[2] ab November 1982 montags statt. Sie wurden von Diakon Günter Johannsen und seiner Jungen Gemeinde (JG) Leipzig-Probstheida initiiert. Anfangs war die Beteiligung an den Friedensgebeten für die Initiatoren sehr ernüchternd, aber in der Folgezeit nahmen die Besucherzahlen, auch die der Stasi (MfS), stetig zu. Bis zu Johannsens Dienststellenwechsel nach Brandenburg (1984) und der Übernahme des Friedensgebetes durch die Pfarrer Christoph Wonneberger und Christian Führer wurden die montäglichen Veranstaltungen von Probstheidaer Jugendlichen unter Mithilfe anderer Jungen Gemeinden Leipzigs selbständig weitergeführt. Die Friedensgebete boten die Möglichkeit des Austauschs und des Gedenkens in einer intimeren Atmosphäre. Trotz Kritik des Kirchenvorstandes von St. Nikolai an zu viel provokatorisch-politisierenden Inhalten konnten die Friedensgebete unter der Schirmherrschaft von Superintendent Friedrich Magirius aufrechterhalten werden.[3] Ende 1988 begann die Besucherzahl aufgrund der verstärkten gesellschaftlichen Debatte weiter zu steigen, und die Friedensgebete bekamen erhebliche politische Relevanz. Die Versuche des Staates, reglementierend Einfluss auf Verlauf und Ausgestaltung der Friedensgebete zu nehmen, führten dazu, dass zunehmend Aktionen im Anschluss vor der Kirche stattfanden. Viele der Teilnehmer verweilten nach dem Gebet auf dem Nikolaikirchhof. Diese neue Öffentlichkeit bot eine Basis für angeregten Informationsaustausch und Reflexion.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedliche_Revolution_%28Leipzig%29

 

(35) 1989-1991 Kasachstan

Auf dem Atombombentestgelände nahe der ostkasachischen Stadt Semipalatinsk wurden von 1949 bis 1989 über 450 Atom- und Wasserstoffbomben gezündet. Der Großteil der im Umkreis lebenden Bevölkerung wusste nicht, dass radioaktive Strahlung austrat. 1989 kam es erstmals zu Protesten der Bürgerbewegung „Nevada – Semipalatinsk“; 1991 wurde der Polygon geschlossen. Noch immer ist die Krebsrate höher als der kasachische Durchschnitt; Kinder werden mit Missbildungen geboren.

Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/welt/557840/Kasachstan_Wo-einst-450-Atombomben-explodierten 

 

(36) 1989-1992 Mosambik

International bekannt wurde Sant’Egidio durch die Vermittlung des Friedens im mosambikanischen Bürgerkrieg. Am 4.10.1992 unterschrieben der Präsident von Mosambik, Joaquim Chissano, und der Anführer der Guerilla, Alfonso Dhlakama, in Rom die Friedensvereinbarung für Mosambik, die den über 15-jährigen Krieg zwischen der Frelimo und der Guerillabewegung Renamo beendete. Der Unterzeichnung des Friedensvertrages waren mehr als zwei Jahre Friedensverhandlungen in Rom durch die Gemeinschaft Sant'Egidio vorausgegangen.

Quelle: http://www.global-ethic-now.de/gen-deu/0c_weltethos-und-politik/0c-pdf/akteure_mosambik.pdf 

 

(38) 1990 Südafrika

Mandela wurde am 11. Februar 1990 aus der Haft entlassen.[15] Staatspräsident Frederik de Klerk hatte den Befehl gegeben und wenige Tage zuvor das Verbot des ANC aufgehoben.  

Am Tage seiner Freilassung leitete Mandela in einer Rede vor 120.000 Zuhörern in einem Stadion in Soweto öffentlich seine Politik der Versöhnung (reconciliation) ein, indem er „alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben“, zur Mitarbeit an einem „nichtrassischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud. Diese Politik hatte er bereits während seiner Haftzeit durch zunächst geheime Gespräche mit einzelnen Vertretern des Regimes vorbereitet.[44] Im Juli 1991 wurde Mandela einstimmig zum Präsidenten des ANC gewählt.[45] In dieser Position leitete er Verhandlungen mit der Regierung über die Beseitigung des Apartheid-Systems und Schaffung einer neuen, vorläufigen Verfassung. Endlich wurde im Februar 1993 eine Vereinbarung über freie Wahlen und eine fünfjährige Übergangsregierung der nationalen Einheit erzielt.[46] 

Mandela und de Klerk erhielten für diese Leistung 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis. Am 27. April 1994 gewann der ANC die ersten demokratischen Wahlen Südafrikas mit absoluter Mehrheit. Am 9. Mai wurde Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er führte fortan eine Regierung, in der auch Minister der National Party und der Inkatha Freedom Party vertreten waren. Ebenfalls in diesem Jahr erschien seine Autobiografie Der lange Weg zur Freiheit (Original: Long Walk to Freedom).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela 

 

(40) 1991-1996 Mali

In Mali begann der Aufstand im Jahr 1990 als Tuareg-Separatisten Regierungsgebäude rund um Gao in Mali angegriffen. Die malische Armee ging zu Vergeltungsmaßnahmen über und es entstand eine ausgewachsene Rebellion. Die Unmöglichkeit sich dagegen zu erwehren, führte zu massiven Beschwerden der Tuareg gegen das Regime Moussa Traorés.[6] Der Konflikt legte sich vorübergehend, als sich um Alpha Oumar Konaré eine neue Regierung (Alliance pour la Démocratie en Mali / ADEMA) bildete. Die Tuareg wurden um 1992 gesellschaftlich etwas besser integriert in der Zeit. Bereits 1994 griffen die in Libyen ausgebildeten und hoch bewaffneten Tuareg Gao erneut an, was erneut zu Repressalien der Obrigkeit führte und zur Schaffung der Ganda-Koy-Songhai-Miliz schwarzafrikanischer Seßhafter gegen die Tuareg. Mali fiel nunmehr in einen Bürgerkrieg.  

1995 konnte eine Friedensregelung ausgehandelt werden. Die Waffen wurden 1996 in Timbuktu als symbolische Beendigung des Konfliktes zerstört und teilweise verbrannt. Hieran erinnert seit 1996 das Denkmal „La Flamme De La Paix“ in Timbuktu. Wenngleich separatistisches Anspruchsdenken ausblieb, blieb die Situation gleichwohl sehr angespannt, denn man befürchtete, dass die Konflikte erneut ausbrechen würden. Die malischen Tuareg-Rebellen hatten sich oftmals an den Friedensprozessen beteiligt. Die 1995 offerierten Friedensangebote sahen vor, dass die Rebellion beendet würde und versprach die Rückführung von Tuareg-Gemeinschaften in den Süden des Landes und Möglichkeiten. Außerdem sollten malische Tuareg an der Zentralregierung in Bamako beteiligt werden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/2._Tuareg-Rebellion 

 

(42) 1992 Ecuador

Wohl in keinem Land Lateinamerikas - außer in Bolivien - ist die indigene Bewegung politisch so stark und gesellschaftlich so breit verankert. Diese Stärke der Bewegung (die politische Konflikte zwischen den einzelnen Organisationen sowie zwischen Basisorganisationen und Dachverbänden nicht ausschließt) hat seit den 1990er Jahren nicht nur zu großen politischen Mobilisierungen gegen Regierungen und neoliberale Wirtschaftspolitik geführt. Sie hat auch maßgeblich zu Gesetzesreformen beigetragen. Gemeinden organisieren den Widerstand gegen die Erdölprojekte und die damit verbundene Zerstörung der Umwelt. Und auf der Ebene von Gemeinden und Provinzen ist eine Vielfalt eigenständiger sozialer Aktivitäten zu beobachten.

Quelle: http://www.bpb.de/apuz/29319/indigene-emanzipationsbewegungen-in-lateinamerika?p=all

 

(46) 1998 Uganda 

2004 erhielt die überkonfessionelle Friedensinitiative in der Bürgerkriegsregion Nordugandas den japanischen Niwano-Friedenspreis. Die Auszeichnung ist eine der bedeutendsten weltweiten Friedenspreise. Die Preisträger, die Acholi Religious Leaders, setzten sich religionsübergreifend für Frieden und Verständigung sowie besonders für den Schutz der Kinder ein. Seit 18 Jahren herrscht im Norden Ugandas ein blutiger Bürgerkrieg.

Quelle: http://www.domradio.de/node/25701 

 

(47) 1998 Australien

Der National Sorry Day ist ein seit 1998 jährlich am 26. Mai begangener nichtamtlicher australischer Feiertag. Anlass ist die Zwangsadoption von ca. 35.000 Aborigineskindern durch die Australier zwischen 1920 und 1969 – die sogenannten Gestohlenen Generationen (Stolen Generations). 1997 veröffentlichte die Australische Menschenrechtskommission einen Abschlussbericht. Man beschloss, der Aborigines mit einem Feiertag zu gedenken. Im Jahr darauf wurde ein Ausschuss zu diesem Thema gegründet. Premierminister John Howard, der das Konzept nicht unterstützte, nahm daran nicht teil, was kritisiert wurde. Im gleichen Jahr wurde der National Sorry Day zum ersten Mal begangen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/National_Sorry_Day

 

(48) 1998 Serbien 

OTPOR wurde im Herbst 1998 als studentische Protestbewegung in Folge der Repressionen des diktatorischen Milosevic-Regimes gegen kritische Professoren und Studenten in Belgrad gegründet. Während der Massendemonstrationen gegen die Milosevic-Herrschaft 1999 gelang es OTPOR, den Widerstand von unten auf weite Teile der Bevölkerung auszuweiten und Demonstrationen auch in der serbischen Provinz zu organisieren. Immer mehr Bürger aller Alters- und Berufsgruppen schlossen sich OTPOR an: die Initiative wuchs von einer Studenten- zu einer Volksbewegung, ihre Mitglieder wurden im Jahr 2000 landesweit auf über 60.000 geschätzt. Ihre Strategie der Gewaltlosigkeit hat es ermöglicht, dass ein Diktator ohne Blutvergießen gestürzt werden konnte.

Quelle: https://www.fes.de/themen/menschenrechtspreis/mrp2001.php 

 

(49) 2001 Israel/Palästina

Machsom Watch oder Checkpoint Watch ist eine Gruppe israelischer Frauen, die israelische Checkpoints beobachtet; die Kontrollstellen also, welche sich zwischen Israel und den von Israel besetzten Gebieten und innerhalb der besetzten Gebiete befinden. Die Menschenrechtsorganisation, die sich selbst als „politisch pluralistisch“ bezeichnet, besteht nur aus Frauen. Obwohl die Organisation von den Soldaten teilweise als Behinderung betrachtet wird, ist sie in dieser Vermittlung oft auch erfolgreich. Durch persönliche Kontakte mit Kommandanten und Interventionen auf Brigadestufe konnte eine teilweise Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und Machsom Watch etabliert werden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Machsom_Watch 

 

(52) 2004 Ukraine 

Die Orange Revolution war eine Serie von Protesten, Demonstrationen und einem geplanten Generalstreik in der Ukraine. Auslöser waren die ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2004, bei welcher auf beiden Seiten Wahlfälschungen der jeweiligen Gegenseite gemeldet wurden. Die Proteste gingen von den Anhängern des während des Wahlkampfs durch eine Vergiftung angeschlagenen Präsidentenanwärters Wiktor Juschtschenko (dessen Wahlfarbe Orange war) aus. Als Kandidat des Oppositionsblocks Unsere Ukraine war er laut erstem offiziellen Ergebnis der Zentralen Wahlkommission dem offen von Russland unterstützten Wiktor Janukowytsch unterlegen. Bei der unblutigen Orangen Revolution von 2004 starben, im Gegensatz zu den späteren Protesten vom November 2013 bis 2014 am Euromaidan, keine Menschen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Orange_Revolution 

 

(53) 2005 Israel/Palästina

Bil'in liegt 4 Kilometer östlich der Grünen Linie, nahe den israelischen Sperranlagen. Am 9. Juli 2004 erklärte der Internationale Strafgerichtshof die Mauer sei eine Verletzung internationalen Rechts. Eine Woche früher hatte der Oberste israelische Gerichtshof entschieden, dass die israelische Regierung das Recht hat, aus Sicherheitsgründen eine Mauer zu bauen, aber dass Teile der Mauer übermäßige Härte für Palästinenser verursachen würde und die Mauer daher umgeleitet werden sollte. In 2005 engagierte der lokale Anführer des Bil'iner Rats, Ahmed Issa Abdullah Yassin, den israelischen Menschenrechtsanwalt Michael Sfard, um das Dorf in einer Petition an den Obersten Gerichtshof zu repräsentieren. Am 4. September 2007 wies das Gericht die Regierung an, den Verlauf der Mauer nahe Bil'in zu ändern. Das israelische Verteidigungsministerium sagte, es werde die Rechtsprechung respektieren.[3][4]

Am 5. September 2007 legalisierte der Oberste Gerichtshof von Israel die israelische Siedlung Mattityahu East, nahe Modi’in Illit, welche auf Land von Palästinensern errichtet wurde, welches von Israel aber als Staatsland betrachtet wird.[5][6][7] Bil'in schwor, den Widerstand fortzuführen, und bot anderen Dörfern mit ähnlichen Problemen Unterstützung an.[8] Die Mauer trennt das Dorf von 60 Prozent seines Agrarlands ab.

Seit Januar 2005 organisiert das Dorf wöchentliche Proteste gegen den Bau der Mauer. Diese Proteste haben Medienaufmerksamkeit angezogen sowie die Beteiligung vieler internationaler Solidaritätsorganisationen wie auch linker Gruppen wie Gusch Schalom, Anarchisten gegen die Mauer und das International Solidarity Movement. Die Proteste finden in Form von Märschen zu dem Ort der illegalen Mauer statt, mit dem Ziel den Bau abzubrechen sowie die bereits gebauten Teile abzubauen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bil'in 

 

(55) 2009 Pakistan 

Von der neu gewählten pakistanischen Regierung unter Präsident Asif Ali Zardari verlangten Rechtsanwälte u.a. die Wiedereinsetzung des Obersten Richters Chaudhry sowie Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz in Pakistan. Aber der Präsident verweigerte die Wiedereinsetzung Chaudhrys. Daraufhin starteten die Anwälte in Pakistan eine neue Welle friedlichen Protests mit Demonstrationen, Hungerstreiks, Presseerklärungen und Boykott der Gerichte. Im März 2009 begaben sich die Anwälte auf einen „Langen Marsch“ durch ganz Pakistan in Richtung Islamabad. Chaudry wurde noch im gleichen Monat wieder als Richter eingesetzt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Iftikhar_Muhammad_Chaudhry