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Die Friedensbewegung in Europa hat in den 90iger Jahren zunehmend Erfahrungen darin gewonnen, Versöhnungsarbeit zu initiieren und Prozesse der Entwicklung von Zivilgesellschaften auf der Basis von Menschenrechten, Demokratie und wirtschaftlicher Gerechtigkeit aktiv zu fördern. Gleichzeitig gibt es ein starkes Interesse von seiten unterschiedlicher Gruppen und Einzelpersonen aus Afrika, Asien und Lateinamerika, in Europa Unterstützung zu mobilisieren, und zwar sowohl im Bereich der professionellen Politik als auch des öffentlichen Bewußtseins. Es sind dies Initiativen aus Regionen, in denen der Ausbruch von Konflikten droht, aber auch aus solchen, die einen gewaltsamen Konflikt gerade hinter sich haben. Kernprobleme sind meist der Aufbau von Kapazitäten vor Ort, die für Konfliktbearbeitung, Versöhnungsarbeit und den Aufbau ziviler Strukturen befähigt sind. Diese Anfragen aus den Ländern der Dritten Welt und die Expertise innerhalb von Pax Christi in Europa führten zur Idee des Projektes "Entwicklung und Konflikte".

Gewalt aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit

Gegenwärtig erfolgt weltweit ein massiver Transformationsprozeß. Unter dem Namen "Globalisierung" unterwirft er nahezu alle Regionen der Erde der Logik der Kapitalverwertung. Die Menschen in den verschiedenen Ländern sind auf unterschiedliche Weise davon betroffen. Nicht selten kommt es zu Krisen und Konflikten, die mehr oder weniger gewaltsam gelöst werden. In einer Reihe afrikanischer und asiatischer Länder sind zwei gegenläufige Entwicklungen festzustellen, die beide von Gewaltausbrüchen begleitet sein können: Einerseits Demokratisierungs- bzw. Unabhängigkeitsprozesse, durch die Militaristen und Kriegsgewinnler zu "Demokratisierungsverlierern" werden und daraufhin gewalttätig reagieren, wie in Nigeria oder Osttimor; andererseits erleben wir die direkten Folgen der Globalisierung, nicht selten verbunden mit dem Zerfall staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen. Daraus resultieren Chaos und massive Gewaltausbrüche wie in Liberia, Sierra Leone, Ruanda, Burundi - oder Bürgerkriege wie im Sudan. In jedem Land gibt es dafür spezifische Bedingungen. Allen gemeinsam aber ist, daß die Gewalt aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit entsteht, daß es ein Kampf ums Überleben ist und daß es dabei Profiteure und Opfer gibt. Allen gemeinsam ist auch, daß die internationale Gemeinschaft, vor allem die wirtschaftlich mächtigen Staaten des Nordens, nur dort substantielle Initiativen zur Beendigung der Gewalt ergreifen, wo die eigene Interessen berührt sind.

Die Konflikte und ihr Erbe

Gewaltsame Konflikte zwischen Volksgruppen begünstigen meist die Kriegsprofiteure. Sie können aber auch eine ganz andere, viel einfachere Struktur haben, wie der Kampf brasilianischer Großgrundbesitzer gegen Bauern und Landarbeiter mit Hilfe von Staat, Justiz, Armee und Killerbanden zeigt.
Bringen gewaltsame Konflikte für eine kleine Gruppe Gewinn, so bedeuten sie für den größten Teil der Völker eine schwere Hypothek: Menschenrechtsverletzungen, traumatisierende Erfahrungen, Kinder und Jugendliche, die jahrelang nur eins gelernt haben: Schießen, Plündern und Töten. Schäden in der Umwelt, die Verbreitung zigtausender von Kleinwaffen in der Bevölkerung, verminte Landstriche, Landraub und vor allem grasseste Ausbeutung gehören ebenfalls dazu.

Optionen und Möglichkeiten der Friedenssicherung

Zur Friedenssicherung braucht es friedensschaffender Maßnahmen (peacemaking), also Versuche, mit den verschiedenen Gruppen eine beiderseits akzeptable Lösung auszuhandeln. Diese Aktivitäten konzentrieren sich auf die politischen Eliten.
Von dieser Seite ist nur bedingt Friedensfähigkeit zu erwarten: Zum einen ist das primäre Interesse politischer Eliten Machterhalt, zum anderen tanzen sie nicht selten nach der Pfeife internationaler Akteure - wir brauchen nur an den Einfluß des Internationalen Währungsfonds zu denken.
Um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, muß unter den Menschen auf lokaler Ebene Vertrauen und Friedensbereitschaft hergestellt werden. Was Not tut, ist also eine zusätzliche Strategie, die sich an gewöhnliche Beteiligte wendet, statt an deren Führer, und die versucht, zwischen den Gruppen Brücken zu bauen statt Barrikaden. Diese Strategie ist unter der Bezeichnung des Friedensaufbaus (peacebuilding) bekannt geworden.

Peacebuilding: das Projekt "Entwicklung und Konflikte"

In vielen Regionen des Südens gibt es Gruppen, die nicht selten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung friedlicher und gerechter Strukturen und in der Menschenrechts- und Demokratisierungsarbeit spielen. Sie erwarten vom Norden solidarische Unterstützung.
Dazu muß ein Netzwerk aufgebaut werden.
Die internationale Struktur von pax christi bietet dafür eine günstige Basis. Deshalb hat pax christi International gemeinsam mit der Deutschen Sektion ein Projekt begonnen, bei dem es auf eigene, langjährige Erfahrungen im Friedensaufbau zurückgreifen kann. Sieben weitere Sektionen in Europa beteiligen sich daran.

Was werden wir tun?

Die folgende Beschreibung ist notgedrungen allgemeiner Natur. Denn, wie die Beispiele in diesem Magazin leicht erkennen lassen, gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Landlosenbewegung in Brasilien völlig anders als beispielsweise mit Friedensinitiativen im südlichen Sudan. Beides sind übrigens Initiativen, mit denen pax christi in Europa schon viele Jahre zusammenarbeitet. pax christi International hat bereits zweimal eine Delegation nach Brasilien geschickt, die dann über die Lage der Landbevölkerung berichtete und politische Empfehlungen weitergab.

Erkundung
Es bestehen also bereits unterschiedlich lange Kontakte zu Gruppen und Organisationen im Süden. Durch einen Besuch bei den Projektpartnern und über einen weiteren Informationsaustausch wollen wir ihre Situation genauer kennenlernen. Daraus sollen ihre konkreten Erwartungen an eine Zusammenarbeit mit europäischen Gruppen und die weiteren Schritte im Rahmen unserer Möglichkeiten geplant werden.

Vernetzung
Gruppen und Einzelpersonen in den beteiligten europäischen Ländern, die an einer Zusammenarbeit interssiert sind oder bereits selbst Erfahrungen darin haben, werden über die geplanten Schritte und die Schwerpunkte der Zusammenarbeit informiert und eingeladen, mitzumachen. Wer Materialien über das Land, die Partnergruppe etc. braucht, erhält sie im Büro von pax christi. Bei Vernetzungstreffen gibt es dann Absprachen über die geplante Rundreise VertreterInnen der Partnergruppe aus dem Süden besuchen ihre entsprechende Partnerorganisationen. Geplant sind Informationsrundreisen in den Ländern der pax-christi-Sektionen in Europa. Dabei besteht auch die Möglichkeit zu Kontakten mit neuen europäischen Partnerorganisationen und Gruppen im Bereich der entwicklungs- und friedenspolitischen Arbeit. Diese Begegnungen dienen dem Kennenlernen, sollen über gewaltfreie Lösungsansätze informieren und dadurch Lernprozesse an der Basis in europäischen Ländern in Gang setzen. Daraus können sich Handlungsempfehlungen für die Gruppen und Forderungen an die eigenen Regierungen und an die internationale Gemeinschaft ergeben.
Über Informationen hinaus sollen sie Beratungen zu möglichst konkreten Absprachen führen und damit die Grundlage bilden für die beiden nächsten Elemente:

Wer kann sich an dem Projekt beteiligen?

Wir laden alle zur Mitarbeit ein, die bereits Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit diesem Ländern, Kontakte zu Personen und Gruppen, vielleicht auch schon mit Lobbyarbeit in unseren Ländern haben.
Eingeladen sind aber auch alle, die "einsteigen", sich kundig machen und sich über eine gewisse Zeit hinweg engagieren wollen.
Bitte melden Sie Ihr Interesse im pax christi- Büro. (siehe unten). Wir werden Information und Beratung, Absprachen und weitere Planung in Form von Treffen bzw. des Austauschs per Post, e-mail etc. koordinieren.

Wer ist an dem Projekt beteiligt?

Es sind dies europäische Sektionen von pax christi, die mit Partnergruppen bzw. Organisationen in den folgenden Ländern zum Teil schon lange zusammenarbeiten, zum Teil gerade am Anfang einer Kooperation stehen:
pax-christi-Sektionen Partner aus:

Veröffentlichungen

Absicht des Projektes ist es auch, weite Kreise interessierter Menschen zu erreichen und für Entwicklungsfragen und Konfliktlösung zu interessieren. Deshalb werden wir im Laufe des dreijährigen Projektes unterschiedliche Publikationen herausgeben:

Literaturhinweise (erhältlich bei pax christi, Bad Vilbel, s.u.)

Koordinatoren des Projekts

pax christi Deutschland
z.Hd. Martin Herndlhofer
Postfach 1345
D - 61103 Bad Vilbel
Tel. +49 06101 - 2073
Fax +49 06101 - 65165
e-mail: proj.dev-confl@paxchristi.de
Internet:http://www.paxchristi.de

pax christi International
Michael Roekaerts
Oude Graanmarkt 21
B - 1000 Brüssel
Tel. +32 02 502 55 50
Fax +32 02 502 46 26
e-mail: office@pci-ngonet.be
Internet:http://www.pci.ngonet.be