Impuls zum 18. Oktober 2026
Von Odilo Metzler (Stuttgart), pax christi-Bundesvorsitzender
Steuern zahlen?
1. Lesung: Jesaja 45,1.4-6
Ich habe dich beim Namen gerufen, ohne dass du mich kanntest
2. Lesung: 1 Thessalonicher 1,1-5b
Wir erinnern uns an die Mühe eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung
Evangelium: Matthäus 22,15-21 (22)
In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Als sie das hörten, staunten sie, ließen ihn stehen und gingen weg.
Gedanken zum Evangelium
Endlich soll Jesus in die Falle gehen und seine Glaubwürdigkeit verlieren, das ist der Plan seiner Gegner. Entweder bringt er die Pharisäer und ihre Anhänger gegen sich auf, weil er den Kaiser anerkennt, der auf der Münze als göttlich bezeichnet wird, oder die römischen Besatzer, weil er ein politischer Aufrührer ist. In beiden Fällen wäre er erledigt.
Jesus jedoch redet sich nicht heraus, sondern dreht den Spieß um: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört. Im Anschluss heißt es dann, dass seine Gegner verwundert weggingen.
Was gehört Gott und was gehört dem Kaiser bzw. dem Staat? Diese Unterscheidung ist wichtig bis heute, weil es nach ihr keinen Gottesstaat und keinen Staat mit absolutem Anspruch gibt.
Gott gehören die Menschen, ihr Leben, ihre Würde. Nach biblischem Verständnis sind die Menschen sein Ebenbild.
Und was ist Sache des Staates? Das Leben der Menschen zu fördern, ihre Entfaltung, ihnen zu dienen, die Würde der Menschen zu achten, sie ist „unantastbar“ (Grundgesetz Art. 1). Es braucht Strukturen und Regeln für das Zusammenleben in der Gesellschaft. Und es braucht den Beitrag der Bürgerinnen und Bürger, dass die Gesellschaft gelingt, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen kann, auch den finanziellen Beitrag, also Steuern. Und es braucht ihr Engagement und ihren Einspruch, dass der Staat dem Leben dient, der Gerechtigkeit, dem Frieden, dass er die Lebensgrundlagen schützt. Deshalb beteiligen sich viele am Netzwerk Friedenssteuer www.netzwerk-friedenssteuer.de.
Vor knapp zwei Wochen haben acht Menschen aus meiner Gemeinde mit weiteren 15.000 in Stuttgart dagegen protestiert, dass unser Staat Steuern und Schulden unbegrenzt für Rüstung ausgibt („whatever it takes“) und gleichzeitig Ausgaben für internationale Nothilfe und Entwicklung drastisch kürzt und so nicht dem Leben dient.
Gebet
Gott, du hast uns nach deinem Bild geschaffen. Uns und alle Menschen.
Nicht nach dem Bild der Macht oder der Wirtschaft, des Erfolgs oder der Leistung, sondern nach deinem Bild. Lass es uns Maßstab sein für unser Handeln und Widerstehen in unserer Gesellschaft, für unser Engagement und unseren Einspruch.
Lass dein Bild in uns sichtbar werden als Gerechtigkeit und Frieden, Barmherzigkeit und Liebe, Leidenschaft und Klarheit. Amen
Du musst nicht bangen, Gott.
Von Rainer Maria Rilke
Du musst nicht bangen, Gott. Sie sagen: mein
zu allen Dingen, die geduldig sind.
Sie sind wie Wind, der an die Zweige streift
und sagt: mein Baum.
Sie merken kaum,
wie alles glüht, was ihre Hand ergreift, -
so dass sie’s auch an seinem letzten Saum
nicht halten könnten ohne zu verbrennen.
Sie sagen mein von ihren fremden Mauern
und kennen gar nicht ihres Hauses Herrn.
Sie sagen mein und nennen das Besitz,
wenn jedes Ding sich schließt, dem sie sich nahn,
so wie ein abgeschmackter Charlatan
vielleicht die Sonne sein nennt und den Blitz.
So sagen sie: mein Leben, meine Frau,
mein Hund, mein Kind, und wissen doch genau,
dass alles: Leben, Frau und Hund und Kind
fremde Gebilde sind, daran sie blind
mit ihren ausgestreckten Händen stoßen.
Gewissheit freilich ist das nur den Großen,
die sich nach Augen sehnen. Denn die Andern
wollens nicht hören, dass ihr armes Wandern
mit keinem Dinge rings zusammenhängt,
dass sie, von ihrer Habe fortgedrängt,
nicht anerkannt von ihrem Eigentume
das Weib so wenig haben wie die Blume,
die eines fremden Lebens ist für alle.
Falle nicht, Gott, aus deinem Gleichgewicht.
Auch der dich liebt und der dein Angesicht
erkennt im Dunkel, wenn er wie ein Licht
in deinem Atem schwankt, - besitzt dich nicht.
Und wenn dich einer in der Nacht erfasst,
so dass du kommen musst in sein Gebet:
Du bist der Gast,
der wieder weiter geht.
Wer kann dich halten, Gott? Denn du bist dein,
von keines Eigentümers Hand gestört,
so wie der noch nicht ausgereifte Wein,
der immer süßer wird, sich selbst gehört.