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Impuls zum 1. Februar 2026

Zum 4. Sonntag im Jahreskreis

Von Ferdinand Kerstiens (Marl), pax christi Münster

Seligpreisungen
Dumm sind die Armen; denn aus Nichts wird nichts in dieser Welt.
Dumm sind die Trauernden; denn man wird sich von ihnen zurückziehen.
Dumm sind die Sanftmütigen; denn man wird ihnen das Fell über die Ohren ziehen.
Dumm sind die, die nach Gerechtigkeit suchen; denn sie werden verfolgt werden.
Dumm sind die Barmherzigen; denn Undank ist der Welten Lohn.
Dumm sind, die reinen Herzens sind; denn man wird sie nach allen Regeln der Kunst ausnutzen.
Dumm sind die Friedensstifter; denn die Rache der Mächtigen wird sie verfolgen.

Quelle unbekannt

Evangelium nach Matthäus 5,1-12a:
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Bergpredigt – für wen?

Durch die kommenden Sonntage begleitet uns die Bergpredigt nach Matthäus. Doch es gibt viele Versuche, sich ihrem Anspruch zu entziehen:
  • Die Bergpredigt ist nur für eine kurze Endzeit gedacht. Da kann man so radikal leben. Aber das Ende ist nicht gekommen. Wir müssen uns auf die Länge der Zeit einstellen. Da kann die Bergpredigt nicht mehr wörtlich verstanden werden: die eschatologische Ausflucht.
  • Die Bergpredigt ist nur für wenige, besonders Auserwählte gedacht, z.B. für die Ordensleute, für die Heiligen, aber nicht für jedermann, nicht für das Volk, das ja gar nicht so leben kann: die katholische Ausflucht.
  • Hier wird eine so hohe Ethik aufgerichtet, dass der Mensch davor nur sein Scheitern bekennen kann. So wird er verwiesen auf die Gnade, die Gott schenkt aufgrund des Glaubens, nicht wegen der Werke: die lutherische Ausflucht.
  • Die Bergpredigt gilt nur für den einzelnen, nicht aber für das gesellschaftliche und politische Leben. Der Christ darf nur so handeln, wenn er auch alleine die Konsequenzen zu tragen hat: die Ausflucht der Politiker aller Parteien und der Wirtschaftler.
  • Hier geht es nur um die richtige Gesinnung. Nach außen kann man nicht immer so leben. Da muss man nach der Verantwortungsethik handeln: die gesinnungsethische Ausflucht.

Gottes Welt
Doch die Rede Jesu ist an „die Vielen“, an das ganze Volk gerichtet, an alle, die auf ihn hören wollen, an alle, die sich heute nach ihm nennen. Man kann nicht sagen: Ich glaube an Jesus Christus und dann die Bergpredigt beiseitedrängen. Das wäre auch ein großes Missverständnis, ein großer Verlust: Denn die Mitte der Bergpredigt ist Einladung und Verheißung. Deswegen stehen die Seligpreisungen am Beginn. 

Die Bergpredigt will nicht untragbare Lasten auferlegen, sondern sie will neues Handeln hervorlocken, zu einer neuen Sicht des Menschen und damit auch des eigenen Lebens führen. Sie zeigt uns Gottes Welt unter den Menschen und eröffnet so neue Horizonte, in denen wir auch das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben und Handeln neu sehen und sortieren können, verantwortungsethisch und nicht (nur) gesinnungsethisch. 

Die Seligpreisungen 
Selig die Armen, die Trauernden, die Barmherzigen? Passt das in unsere Welt.? Sind das nicht eher die Dummen? Heißt es nicht eher in unserer Welt: Dumm sind die Armen, die reinen Herzens sind und versuchen Frieden zu stiften, statt ihren eigenen Vorteil zu suchen und die eigene Macht?

Aber wohin eine Welt ohne die Seligpreisungen führt, das erleben und sehen wir doch Tag für Tag: Gewalt und Gegengewalt in Israel und Palästina, in der Ukraine, im Sudan, im Kongo und in vielen Krisengebieten unserer Welt, Gewalt auch auf unseren Straßen gegen Fremde, gegen die Schwächeren, gegen Frauen, gegen die Armen. Man hat den Eindruck, dass hierzulande wenigstens 10 Prozent und weltweit mindestens 30 Prozent der Menschen einfach nur stören. Sie sind Ballast, überflüssig, weder als Arbeiter, noch als Konsumenten zu gebrauchen. Sie sind die Ausgegrenzten, die keiner braucht, Abfall, Müll. Lass sie doch zugrunde gehen! Dann brauchen wir nicht mehr bei ihrem Elend zuzuschauen! Für die großen Herrscher (Trump, Putin und Xi Jimping) und kleinen Herrscher (Netanjahu, Kim, Ajatollah Chamenei und viele andere) ist es schon ein Verbrechen, anderer Meinung zu sein.

Da sagt Jesus: Das ist nicht Gottes Reich! Da geht es anders zu. Da steht Gott bei den Armen und sichert ihre Würde. Da weint er mit den Trauernden, da ihm das Leid der Menschen nicht fremd ist. Da tritt er mit denen, die reinen Herzens und barmherzig, sind für den Frieden und die Verständigung unter den Völkern ein. Da steht er auf der Seite der Ausgegrenzten und scheinbar Überflüssigen und stiftet neue Lebensmöglichkeiten mitten im Untergang.

Das gilt zunächst für die unmittelbar Betroffenen, für fast die Hälfte der Menschheit. Aber wir dürfen das auch ganz persönlich für uns hören, jede und jeder für sich, dort, wo wir verwundet sind, wo wir unsere dunklen Seiten, unsere Enttäuschungen spüren, wo unser Leben nicht so gelingt, wie wir es möchten, wo wir traurig sind auch über den mühsamen Weg seiner Kirche. Jesu Wort will nicht sagen: Findet euch damit ab! Oder: Im Himmel wird alles anders sein, wartet geduldig darauf! Nein, er ermutigt uns, mitten in aller Not und in allen Fragen nicht zu verzweifeln, uns vielmehr aufzurichten, uns unserer Würde vor Gott bewusst zu werden, uns nicht beirren zu lassen in unserem geduldigen, hartnäckigen Festhalten an einer anderen Welt, an der Welt Gottes, an seinem Reich. Viele Christinnen und Christen werden dafür verfolgt und in ihrem Leben bedroht. 

Das „Selig“, oder, wie es in manchen modernen Übersetzungen heißt: „Freuet euch!“ gilt den Betroffenen und auch uns jetzt schon, wenn wir uns auf die Einladungen Jesu einlassen. Dann wird auch in unserem Denken und Handeln eine neue, andere Welt sichtbar, in der Menschen menschlich miteinander leben können, wo nicht der eine des anderen Wolf ist, wo die nur scheinbar „Dummen“ sich als die rettenden Engel dieser Welt erweisen, die zeigen, wie eine Welt ohne Gewalt und Unterdrückung aussehen kann. Unsere Barmherzigkeit mit den Opfern, unsere Trauer, unseren Zorn über die Ungerechtigkeit unserer Welt und unsere Solidarität mit den Armgemachten, unseren Hunger nach Gerechtigkeit für alle, unseren Einsatz für den Frieden können und dürfen wir nicht in unsere Herzen einschließen und damit uns schon zufrieden stellen. Das alles will uns Mut machen, unsere Welt zu verändern, den Menschen, den Armgemachten und an den Rand Gedrängten, den Opfern zu allererst beizustehen.  Die Seligpreisungen wollen die Menschen, uns Menschen, frei machen von all ihren verquälten Versuchen, sich auf Kosten der anderen Glück zu verschaffen oder das, was man dafür hält. 

Es tut gut, wenn ein jeder, eine jede sich einmal in Ruhe zurückzieht und darüber nachdenkt: Wie lauten eigentlich meine Seligpreisungen? Wohin zielt meine Sehnsucht, meine Hoffnung? Durch welche Menschen kann das schon heute beginnen? Gehöre ich selber mit meinem Leben dazu? Vielleicht müssen wir auch unsere Seligpreisungen an den Seligpreisungen Jesu messen und korrigieren. Dann gilt dies auch uns: Selig seid ihr! Ihr habt Grund, euch zu freuen, schon jetzt! Gottes Welt beginnt in euch und durch euch inmitten unserer alten Welt, die vergeht.

Gebet
Jesus, du hast gesagt: Selig die Armen. Steh allen bei, die arm sind an Nahrung und Geld, arm an Sinn und Orientierung, und lass sie wieder neuen Zugang zum Leben gewinnen.

Du hast gesagt: Selig die Trauernden. Schenke den Menschen in ihrer vielfältigen Trauer die Erfahrung, dass du stärker bis als alles, was den Menschen niederdrückt.

Du hast gesagt: Selig, die keine Gewalt anwenden. Bekehre alle, die auf Hass und Gewalt setzen, und ermutige die Gewaltlosen in ihrem Dienst am Frieden in der Welt.

Du hast gesagt: Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit: Lass den Hunger und den Durst nach Gerechtigkeit zu einem großen Strom in unserer Welt werden.

Du hast gesagt: Selig, die barmherzig sind. Sieh die große Not in unserer Welt, die Verzweiflung und Resignation, und mach uns zu Menschen, die sich erbarmen.

Du hast gesagt: Selig, die Frieden stiften. Stärke die vielen, die sich auf allen Seiten der Konfliktparteien um Verständigung und Versöhnung bemühen.

Du hast gesagt: Selig, die reinen Herzens sind. Wehre Lug und Trug unter den Menschen und lass die reinen Herzen nicht untergehen in unserer zerrissenen Welt.

Du hast gesagt: Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Lass sie nicht bitter werden und stärke ihr Zeugnis von deiner überfließenden Liebe.

Du hast gesagt: Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt um meinetwillen. Steh allen Christinnen und Christen bei, die im Vertrauen auf deine Nähe ihr Leben einsetzen für Menschenwürde und Frieden.