Kommission Migration
Geflüchtete Menschen und andere Zugewanderte begegnen in Deutschland immer mehr skeptischen bis offen feindseligen und rassistischen Haltungen, die von Teilen des politischen Parteienspektrums systematisch geschürt werden. Deutschland und die EU schotten sich zunehmend gegen Menschen ab, die bei uns Schutz vor Verfolgung und menschenwürdige Lebensbedingungen suchen. Das Grundrecht auf Asyl wird immer weiter ausgehöhlt. In der Öffentlichkeit fehlt weitgehend ein positives Bild von Zugewanderten und es mangelt am Bewusstsein, dass sie für unsere Gesellschaft einen Gewinn bedeuten; dies gilt in besonderem Maße für Geflüchtete. So wird meist ausgeblendet, dass die zahlreichen syrischen Ärztinnen und Ärzte als unverzichtbar für die Stabilität der Krankenhausversorgung in Deutschland gelten; ähnliches gilt für Pflegekräfte. In vielen weiteren Berufen arbeiten heute mehrheitlich Menschen mit Migrationshintergrund. In der öffentlichen Diskussion jedoch wird fast ausschließlich auf Zugewanderte gezeigt, die Straftaten begangen haben und die angeblich auf „unsere“ Kosten leben. Vor diesem Hintergrund liegt der Schwerpunkt der politischen Debatte auf beschleunigter Abschiebung und nicht auf Integration.
Dass Integration gelingen kann (und vielfach gelungen ist), Staat und Gesellschaft aber dafür bestimmte Voraussetzungen schaffen müssen, spielt in der Debatte bestenfalls am Rande eine Rolle. Auch die Tatsache, dass wir schon wegen des Fachkräftemangels auf Zuwanderung angewiesen sind, aber die weit verbreitete feindselige Haltung gegenüber Geflüchteten und Zugewanderten auch die angeblich willkommenen Menschen abschreckt, wird in der öffentlichen Diskussion kaum beachtet. Dort wird eher eine „harte Hand“ beklatscht, die verbindliche Zusagen, etwa für afghanische Ortskräfte, nicht einhält, den Familiennachzug für Menschen verhindert, die einen Schutzstatus erhalten haben, und so deren Integration behindert. Diese Politik wird zunehmend auch in Regierungsverantwortung von Menschen betrieben, die sich als Christinnen und Christen bezeichnen. Wir halten deren Reden und Handeln für nicht vereinbar mit unserem christlichen Glauben. Denn „es ist Heuchelei, wenn man sich als Christ bezeichnet und gegen Menschen ist, die bei uns Zuflucht suchen.“ (Papst Franziskus)
In dieser Situation sehen wir uns als pax christi zu Handeln und klaren Positionierungen für geflüchtete Menschen und für eine integrative Migrationspolitik herausgefordert. An der Seite der Leidenden und Benachteiligten zu stehen, bedeutet für uns auch, entsprechend tätig zu werden. Wir wollen mit Worten und Taten dazu beitragen, dass verfolgte Menschen, Opfer von Krieg und Gewalt, die zu uns flüchten, Schutz erhalten, notfalls auch im Kirchenasyl, und dass neu Zugewanderte, statt ausgegrenzt zu werden, Teil unserer Gesellschaft werden können. Dabei leitet uns der Glaube an die Gottebenbildlichkeit des Menschen und die darauf gründende gleiche Würde aller. Denn „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn“. (Gen 1, 27)
Die Delegiertenversammlung 2025 hat der neu eingesetzten Kommission Flucht und Migration die folgenden Arbeitsaufträge gegeben:
- Beobachtung der politischen Lage zum Thema Migration und der Situation geflüchteter Menschen in Deutschland und der EU,
- Bewertung von migrationsbezogenen politischen Statements, Gesetzesinitiativen etc., darauf bezogen: Initiierung von Aktionen, Kampagnen, öffentlichen Briefen etc.,
- Gewinnung kirchlicher Gremien und Verbände zum Mitengagement,
- Vernetzung von Gruppen, die in pax christi zu Flucht und Migration arbeiten,
- Mitarbeit in einschlägigen zivilgesellschaftlichen Bündnissen und Netzwerken,
- Eigene Weiterbildung zu flucht-, migrations- und integrationsbezogenen Fragen,
- Gesprächs-/Kooperationspartner und Multiplikator in pax christi zu Flucht und Migration sein, der verbreiteten Härte gegenüber Geflüchteten Fakten und positive Bilder entgegensetzen.
Gewählte Mitglieder der Kommission sind Franz Josef Conraths (DV Berlin), Egon Jöckel (DV Fulda), Thomas Meinhardt (Regionalverband Rhein-Main) und Johannes Kirsch (DV Paderborn). Zur Mitarbeit konnten wir Linda Joseph (DV Berlin) gewinnen.
Wir freuen uns über weitere pax christi-Mitglieder, die an einer Mitarbeit interessiert sind.
Kontakt über den Sprecher der Kommission Johannes Kirsch