„Für Großes braucht es viele“
19. Mai 2026
pax christi war auf dem diesjährigen Katholikentag in Würzburg mit dem Motto „Frieden – Für Großes braucht es viele“ und der Symbolik der Ameise vertreten. Ameisen leben in gut funktionierenden Gemeinschaften, arbeiten erfolgreich zusammen und schaffen so Dinge, die weit über das Vermögen einer Einzelnen hinausgehen. Daran wollten wir uns ein Beispiel nehmen und haben Besucher:innen eingeladen, mit uns zusammen an unserem Friedensbau zu arbeiten und mit uns zu Friedensthemen ins Gespräch zu kommen. Dabei gab es viele spannende, inspirierende und manchmal auch kontroverse Gespräche. pax christi war außerdem mit eigenen Veranstaltungen oder als Gast im Katholikentagsprogramm vertreten. Hier eine kleine Übersicht:
Dialog im gesellschaftlichen Miteinander
Donnerstag, 16.30-18.00 Uhr
Ein Workshop von pax christi auf dem Katholikentag hat gezeigt – es ist möglich, mit Menschen, die eine andere Meinung haben, wo es großen Dissens gibt, ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu arbeiten, ungeachtet von Sympathie oder Antipathie. Drei Minuten reden für die eigenen Gedanken, dann drei Minuten zuhören, nicht argumentieren aber aufmerksam zuhören. Das eröffnet Raum für Verstehen, für Gemeinsamkeiten, für Fühlen. Danach ist Platz für die Suche nach gemeinsamen Wegen, Kompromissen und guten Lösungen - für einen gemeinsamen Weg. So kann Demokratie gehen, auch in polarisierten Zeiten, darüber waren sich die Teilnehmenden des Workshops einig.
Werkstatt Besatzung, Landnahme und Vertreibung
Freitag, 11.00 – 12.30 Uhr
In der Werkstatt „Besatzung, Landnahme und Vertreibung“ der Nahostkommission berichteten Pfarrerin Sally Azar von der lutherischen Erlöserkirche in Jerusalem und der Weinbauer und Friedensaktivist Daoud Nassar aus Betlehem über die immer perspektivlosere Situation der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank und Ostjerusalem. Durch die Besatzung, den völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungsbau auf palästinensischem Land und die zunehmenden Landenteignungen und Siedlergewalt werde die Situation immer aussichtsloser und auch die christliche Präsenz im Heiligen Land durch Auswanderung immer geringer. Nassar kämpft seit Jahrzehnten mit internationaler Präsenz um den Weinberg seiner Familie, er ist inzwischen von „israelischen“ Siedlungen umzingelt, doch sein „Tent of Nations“ ziert das Motto „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. Beide erwarten von den Kirchen und Christ:innen in Deutschland Solidarität und laden sie ein: „Kommt und seht!“
Zwischen Abschreckung und Diplomatie
Freitag, 14.00- 15.30 Uhr
Großes Podium mit Carsten Heuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, Prof. Dr. Johannes J. Frühbauer, Justitia et Pax, Christoph Heusgen, Botschafter a., Vorsitzender des St. Gallen Symposiums und Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Trutzing waren im Gespräch, moderiert von Prof. Dr. Claudia Nothelle. Alle waren sich einig, der Diplomatie sei unbedingt der Vorzug zu geben. Sie ist nach Völkerrecht die entscheidende Prämisse. Aber, so viele Stimmen des Podiums, sie muss unterfüttert werden mit den Instrumenten der Abschreckung. Als Anwältin des Publikums trug Esther Mydla, Generalsekretärin von pax christi Deutschland aber eindrückliche Appelle aus dem Publikum vor, dass der Diplomatie der Vorzug zu geben sei, unterfüttert von den großen Möglichkeiten der zivilen gewaltarmen Sozialen Verteidigung. Viel Luft nach oben, nach Ansicht des Publikums!
Deutsche Waffen in aller Welt? – Debatte über Rüstungsexporte und Aufrüstung
Freitag 14.00 – 15.30 Uhr
Bei einer Veranstaltung der Rüstungsexportkommission von pax christi diskutierten Simone Wisotzki, Ralf Stegner und Niklas Wagener über die deutsche Rüstungsexportpolitik und die Folgen zunehmender Militarisierung. Simone Wisotzki vom Peace Research Institute Frankfurt verwies auf weltweit steigende Verteidigungsausgaben und kritisierte Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und Demokratieprojekten. Das Strategiepapier des Bundeswirtschaftsministeriums zur Stärkung der Verteidigungsindustrie fördere zudem den Export von Rüstungsgütern, auch in Drittstaaten. Ralf Stegner forderte ein Rüstungsexportkontrollgesetz sowie mehr parlamentarische Kontrolle. Er warnte vor weiterer Eskalation durch Waffenlieferungen an die Ukraine und plädierte für Diplomatie und Abrüstung. Niklas Wagener betonte dagegen die Bedeutung militärischer Stärke zur Sicherung von Frieden und Freiheit in Europa und sprach sich für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine aus.
Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? Eine Gewissensfrage für junge Muslime, junge Christen und alle anderen
Freitag 16.00 – 17.30 Uhr
Die Veranstaltung der Christlich-Muslimischen Friedensinitiative Deutschland (CMFD), die von pax christi mitgetragen wird, fand auf dem Vorplatz zum Rathaus im marokkanischen Königszelt statt. Die Christlich-Muslimische Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz CIBEDO lud dort zu interreligiösen Gesprächen bei Tee und Plätzchen ein. Der DITIB-Dialogbeauftragte Rafet Öztürk und der pensionierte Prof. Dr. Josef Freise von der Kath. Hochschule in Köln stellten ihre Überlegungen vor und diskutierten mit Gästen im voll besetzten Königszelt – auch Bischof Heiner Wilmer kam kurz dazu. Schon jetzt sei auf den Fachtag verwiesen, den die CMFD zu diesem Thema am 31. Oktober in der Jugendakademie Walberberg gestaltet. Muslimischerseits wird dann Prof. Dr. Milad Karimi von der neu gegründeten Islamtheologischen Fakultät der Universität Münster die Frage nach der Kriegsdienstverweigerung aus muslimischer Perspektive reflektieren. Infos unter cmfd.de
Wie hoch darf der Preis der Freiheit sein? Auf der Suche zwischen Friedensutopie und Säbelrasseln
Freitag 16.30 – 18.00 Uhr
„Wie hoch darf der Preis der Freiheit sein?“ war das Thema einer Werkstatt von pax christi und der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) mit den Bundesvorsitzenden Odilo Metzler und Ulrich Schäffer. Schäffer betonte, dass es darum gehe, die Bundeswehr „nachzurüsten“ und sich auf Angriffe auf die Infrastruktur vorzubereiten. Metzler kritisierte, dass die Aufrüstung nicht defensiv ausgerichtet sei und in ihrer Höhe den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährde. Er forderte alternativ zur militärischen Verteidigung die staatliche Organisation sozialer Verteidigung als Freiwilligendienst mit Ausbildung und Finanzierung.
Aktive Gewaltfreiheit – vom Mut für ein friedvolles Miteinander. Und wie geht das?
Samstag 11.00 – 12.30 Uhr
Vierzig Menschen waren am Samstagvormittag zum Workshop gekommen, um die Grundhaltung der aktiven Gewaltfreiheit in Kleingruppenarbeit und einer Körperübung näher kennenzulernen. Pia Stamer von gewaltfrei handeln e.V. und Norbert Richter von der Kommission Aktive Gewaltfreiheit stellten die zwei Säulen der Gewaltfreiheit in den Mittelpunkt. Eine Haltung im Konflikt und Kontakt mit anderen, mit Bestimmtheit einen klaren Standpunkt zu haben, aber gleichzeitig Verbindung und Vertrauen durch Respekt, Empathie und Offenheit zu erhalten bzw. aufzubauen.